kaltes.gefuehlsloses.herz

Gefuehlstot.
Belanglos.
Unsinn.
Vergangenheit.
Dein Untergang.

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fiktiver.duennschiss




Die hellen Huegel heben und senken sich in einem stetigen Rhythmus. Immer wieder. Auf und ab. Auf und ab. Leise singend schlagen kleine Wellen gegen die weiche Oberflaeche. Das Wasser schmiegt sich wie die sanfte Beruehrung des Liebsten an die glatte Landschaft und ertränkt sie.
Die Huegel, die sich unter der Sauerstoffzufuhr woelben und beim entleeren abflachen, sind mein Brustkorb. Der romantische Vorgang ist meine Atmung.
Ich atme. Wir atmen. Die gesamte Menschheit atmet. Tag ein, Tag aus. Es wird nicht wahrgenommen und setzt dennoch nie aus.
Nein, ich irre mich.
Die Atmung kann aussetzen. Wenn Menschen den Drang aus Neugierde, oder Furcht unterdruecken, haben sie fuer ein paar Augenblicke Kontrolle ueber ihr Leben. Sie können sich entscheiden zwischen weiteratmen und aufhoeren.
Eine Illusion. Kein Mensch ist in der Lage den koerperlichen Reflex aus eigener Kraft lange genug hinauszuzoegern.
Ich spuere, dass sich auf meiner Stirn Scheißtroepfchen gebildet haben, die langsam ueber meine Schlaefen wandern, sich unter meinem Kinn treffen, um vereint in das Badewasser zu stuerzen und damit zu verschmelzen. Das Wasser ist so heiß, dass ich beinahe keine Luft mehr bekomme und schon seit einigen Minuten darum ringe. Ich lasse traege die Haende vor meinem Gesicht durch das Nichts flattern und beobachte aus halbgeschlossenen Augenlidern den Dampf, der vom Wasser um mich und von meinem gluehenden Koerper ausgeht.
Ich lasse den Sauerstoff aus meinen Lunge, trenne mich von so viel Lebenselixier, wie mir moeglich ist, und lasse mich sinken. Langsam gleite ich tiefer, das Wasser verschluckt mehr und mehr von meinem Koerper, bis ich gaenzlich in seiner erdrueckenden Umarmung gefangen bin.
Ich bin umgeben von nicht greifbarer Konsistenz. Fremden Geraeuschen. Ich hoere das Knirschen und Klopfen und eine gedaempfte Stimme, die aus dem Plattenspieler kommt. Mein Blut rauscht in meinen Ohren waehrend es immer weniger Sauerstoff transportiert. Ich lege den Kopf in den Nacken und spuere den harten Grund der Badewanne unter meinem Hinterkopf.
Das Wasser ueber mir hat sich wieder zu einer makellosen Flaeche zusammengefuegt. Es hat seine Pforten geschlossen.
Mein Haar weht vor meinem Gesicht im Wasser und tanzt von seiner unsichtbaren Stroemung gefuehrt, als schwarzer Schleier in meinem Blick. Die Bewegungen sind langsam und traege. Es schlingert vor meinen Augen umher und vermischt sich mit den roten Punkten, die mit der Zeit an Farbe und Zahl gewinnen. Ich schließe wieder meine Augen, als kalte Luft ins Gesicht greift, oeffne ich sie. Ich bin an der Oberflaeche.
Zurueck im Leben.
Ich atme. Ich funktioniere. Es hat keinen Sinn. Der ist auf der Welt ohnehin eine wertvolle Raritaet.
Ich lasse meine Arme ueber deie Badewannenraender haengen und spuere, wie sich erneut Schweißtroepfchen bilden und sich mit den Wassertropfen, die nun auf meiner Haut sind, vermischen.
Was tust du da? Versuchst du dich zu ertränken?
Ich drehe muede den Kopf in die Richtung, aus der seine Stimme kommt. Er steht in der Badezimmertuer und hat noch seinen Mantel an.
Nein.
Es ist ein Wort, das in dem leisen Hauch kaum hoerbar ist.
Du kannst nicht loslassen.
Ja.
Ein weiteres Hauchen.
Du kannst das Leben nicht ohne mich verlassen.
Seine Mundwinkel zucken, ohne ein Laecheln zu bilden.
Das ist dir nicht moeglich und ich gestatte es dir auch nicht. Das weißt du auch.
Du sagtest es mir schon. Eigentlich sagst du es mir immer dann, wenn du mit mir schlaefst, weil ich dich dann am meisten liebe.
Du liebst mich nicht. Du kannst nicht lieben. Niemanden, niemals...
Ich stehe auf und steige aus der Badewanne, die mitten im weißgekachelten Raum im Boden eingelassen ist. Sein Blick ist an mich geheftet, als ich mich nackt vor ihn stelle und die Tropfen dem Gesetz der Schwerkraft folgen. Das Gewicht seiner blauen Augen wird scherer und laesst den Druck in meiner Brust steigen, die ein ploetzliches Stechen durchfaehrt. Seine Naehe schmerzt.
Du hast recht. Es geht nicht um Liebe. Dieses Gefuehl ist so nichtig, im Gegensatz zu Hass. Wir hassen mit Leidenschaft, es verzehrt uns. Liebe ist schwach und verletzlich.
Ich hasse dich nicht. Hasst du mich?
Nein, ich brauch nur deinen Koerper. Man koennte sagen, ich liebe es ihn in Schweiß ausbrechen zu lassen und seine makellose Haut zu zerkratzen, waehrend ich ihn benutze.
Er entkleidet sich, drueckt mich gegen die Fliesen und dringt in mich ein, waehrend meine Naegel an den steinernen Quadraten der Wand herunterrutschen und ich schwach versuche Halt zu finden. Seine Haende wandern ueber meine Brust und seine Finger finden sein Ziel an meine Lippen, die ich geoeffnet habe um leise wimmernd auszuatmen.
So entweicht mir das Leben letztenendlich doch, ohne, dass ich Einfluss darauf haette. Doch das hier ist nur ein kurzer Tod fuer einige Minuten der Lust.
Wir haben Sex um nicht dem Wahnsinn zu verfallen. Wir fallen uebereinander her, lassen aber nicht zu, dass das Nichts uns in die Finger kriegt. So retten wir uns.
Tag fuer Tag, waehrend wir atmen.

Tu m'abasourdis.

15.2.08 20:37
 


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